Gastronautica - Save Our Savour

Gourmetmeile Essen 2014

Jun 26, 14 • AllgemeinNo CommentsRead More »

pulled pork
Die alljährliche Essener Gourmetmeile hat begonnen! Wie immer, eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über die gastronomische Landschaft der Stadt zu verschaffen. Fast alle Spitzengastronomen und solche, die sich dafür halten, sind vertreten. Es finden sich kaum Newcomer im Vergleich zum letzten Jahr, einzig der Bonner Hof aus dem Stadtteil Kettwig wagt sich mit spanischen Spezialitäten neu auf die Meile. Der Rest: Arrivierte Platzhirsche der Gastro-Szene, es geht mehr um Präsenz als um Leistungsschau und bei gutem Wetter vielleicht noch um ein gutes Geschäft. Das spiegelt sich auch in den Menükarten wieder. Viele Betriebe setzen auf Klassiker, die auch schon in den Jahren zuvor funktioniert haben. Richtig kreativ wagt sich keiner aus dem Häuschen – ist vielleicht auch nicht angebracht, um neue Zielgruppen aus dem Massenpublikum zu erschließen. Nichtsdestotrotz finden sich immer wieder interessante Dinge und neue Kreationen. Hier ein paar Stichproben:

Kölner Hof – Hausgeräucherter Lachs, Kartoffelpuffer, Senf-Dill-Sauce (5€)
Herr Furtmann macht keine Fehler. Er steht für solides Handwerk in Essen. Für uns –wenn überhaupt- nur hauchdünn unter Sterneniveau. Die Karte auf der Meile ist mit Rumpsteak, Lammnüsschen, etc. bodenständig, was kein Fehler sein muss. Wir wissen, er kann auch anders. Der verkostete Lachs: 1 A Produktqualität, sanft geräuchert, tolle Konsistenz, außen knusprige, innen zarte Kartoffelpuffer, leckere Senf-Dill-Sauce. Passt! Nicht aufregend, aber ein Genuss.

Hannappel – Zweierlei von der Entenleber mit rotem Zwiebelconfit und Hefeeis (6€)
Ähnliche Kategorie wie Kölner Hof, in Teilen etwas laborierter auf der Meile. Das getestete Gericht besteht aus dem bereits aus Vorjahren bekannten Entenleber-Dominostein und einer Art Knusperkugel mit Entenleberfüllung. Als Kontrast das Hefeeis und Zwiebelconfit. Die einzelnen Bestandteile schmecken sehr gut und das Gericht ist schön anzusehen. Die Gesamtabstimmung der Komponenten ist nach unserer Empfindung etwas zu süßlich. Das Hefeeis könnte mutiger abgeschmeckt sein und einfach hefiger schmecken und so mehr kontrastieren. Das gleiche gilt noch mehr für das Zwiebelconfit, das etwas die Chance verpasst, Frische und Säure reinzubringen. Insgesamt trotzdem gut, gutes Preisleistungsverhältnis.

Schloss Hugenpoet – Loup de Mer und Jakobsmuschel mit Zuckererbsenpüree und Olivenölschaum (9€) sowie Shiitake-Maultaschen mit gelbem Rettichchutney und asiatischem Gemüse im Sesamsud (7,50 €)
Die ohne eigenes Zutun ihres Sterns beraubte unprätentiöse Erika Bergheim kocht wunderbar auf. Umsichtig, aber nicht ängstlich eingesetzte Aromen und Konzentration auf das Hauptprodukt führt zu gelungenen harmonischen Kompositionen. Der Fisch ist knusprig auf der Haut gebraten, keine Sekunde zu lange. Die Jakobsmuscheln sind zu diesen Preisen auf der ganzen Meile nicht Spitzenqualität, aber trotzdem ein Genuss, innen glasig nicht totgebraten – okay, das kann man erwarten. Das Erbspürree mit kurz geschwenkten Zuckerschoten und dem Olivenölschaum setzen tolle Aromen dazu und binden alles in ein herrlich mediterranes Gesamtes ein. Vorsicht Plattitüde!: Ein tolles Sommergericht!
Die Maultaschen, mit Shiitake-Pilzen gefüllt, setzen aromatisch noch eins drauf. Sehr intensiv pilzig mit zartem dünnen Maultaschenteig ummantelt sind ein Genuss. Der Sesamsud ist intensiv würzig. Das Gemüse vielleicht etwas zu gar, was aber vor allem optisch beeinträchtigt. Das Rettichchutney bringt einen schönen Frischekontrast und säuerliche Noten. Relativ große Portion. Empfehlenswert.

Residence – Sautierte Jakobsmuscheln mit Avocado, Zitrusfrüchten und Kefirschaum (6€)
Die Residence als einziges 2 Sterne-Haus in Essen, das seit dem Weggang von Henri Bach etwas zu kämpfen hatte, dieses Niveau zu halten, lässt zumindest bei diesem Gericht nichts anbrennen. Zwei tadellose Jakobsmuscheln auf einem großzügigen Avocadobett, das zurückhaltend, aber präzise abgeschmeckt wurde. Der nur leicht gesalzene Kefirschaum bringt einen schönen Frischekontrast zu der cremigen Avocado. Basilikum sowie Grapefruit- und Orangenfilets geben hier und da noch einen Aromen/Säure-Kick auf die Gabel. Perfekt! Auch gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Esszimmer – Pulled-Pork-Sandwich mit BBQ Sauce und Pickles (9€)
Das relativ neue Esszimmer aus dem Stadtteil Werden kommt u. A. mit dem amerikanischem BBQ-Klassiker Pulled Pork daher. Also lange, lange meist im Smoker bei niedriger Temperatur gegrilltes/geräuchertes Schweinefleisch aus Schulter oder Nacken, was anschließend mit der Gabel zerrupft wird. Auf Grund der Garzeiten von rd. 15 Stunden für zu Hause sehr aufwendig. Umso schöner daher, es hier zu finden. Es wird ein relativ kleines „Bun“ mit dafür reichlicher, zarter und sehr würziger Pulled-Pork-Füllung serviert, alles mit BBQ-Sauce besprenkelt, die gut ist, aber auch noch mehr Rauchigkeit vertragen könnte. Extrapunkt für selbst eingelegte Pickles, die das sehr herzhafte Fleisch schön kontrastieren und auch etwas Knackiges beisteuern. Gut umgesetzter Klassiker und schöne Bereicherung für die Meile.

Bonner Hof – Mallorquinischer Tomaten-Brotsalat mit Hühnchen und Aioli picante (7€)
Der Bonner Hof präsentiert spanische Küche jenseits der allgegenwärtigen Tapas. Wir versuchen den Brotsalat. Wir bekommen ein kleines Türmchen des besagten Salates auf einem Rucolabett, das wiederum auf einem Maracuja-Spiegel ruht. Das ganze ist gekrönt von einer würzigen Knoblauchcreme. Es schmeckt gut und intensiv, wir sind uns aber nicht ganz sicher, vielleicht ein bisschen zu intensiv. Im Salat selbst dominieren geröstetes Brot und Hühnchen, Tomaten sind kaum spürbar, was ein bisschen die Frische nimmt und den Salat etwas eindimensional macht. Rucola und Maracuja helfen zwar abzumildern, kommen aber nicht gegen den wuchtigen Salat an.

Soweit die Stichproben. Fazit: keine Reinfälle, durchgängig gute Qualität. Das Preisniveau ist nicht supergünstig, bietet aber meist doch einen guten Gegenwert, da auch hochwertige Produkte teils aufwendig verarbeitet werden. Ebenfalls bietet die Meile eine gute risikoarme Möglichkeit, den eigenen Geschmackshorizont zu erweitern und neue Lokale kennenzulernen. Wir wünschen guten Appetit am kommenden Wochenende!

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